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LITERARISCHES LEBEN IN FRANKEN Erinnerungen, Impressionen und Jubiläen 2005
Franken ist momentan nicht in der Beletage der deutschen Literatur anzutreffen - um so illustrer lassen sich Autoren in der Vergangenheit aufspüren: Walter von der Vogelweide (begraben in Würzburg), Wolfram von Eschenbach (Ansbach), Konrad von Würzburg, Georg Philipp Harsdöffer, Hans Folz und Hans Sachs (Nürnberg), Wilhelm Heinse (Stürmer und Dränger), E.T.A. Hoffmann (Bamberg), Clemens Brentano (begraben in Aschaffenburg), Jean Paul (Bayreuth), Friedrich Rückert (Schweinfurt), Viktor von Scheffel (Fränkische Schweiz), Michael Georg Conrad (Naturalist), Claire Goll (Nürnberg), Leonhard Frank (Würzburg), Oskar Panizza (Bad Kissingen), Ernst Penzoldt (Erlangen), Jakob Wassermann (Fürth), Hermann Kesten (Nürnberg), Karl Otto Mühl (Nürnberg), Max von der Grün (Bayreuth). Verbürgt ist, daß die ersten erhaltenen Sammlungen von Faustgeschichten in Nürnberg (1580) auftauchten, wenig bekannt dürfte sein, daß der 'Dracula'-Autor Bram Stoker einen Roman über 'Die Eisenrne Jungfrau' in Nürnberg schrieb, die er aus eigener Anschauung kannte. Freilich hatte Fitzgerald Kusz vorübergehende Aufmerksamkeit mit seinem Stück 'Schweig' Bub!' in fränkischer Mundart (welches in der Folgezeit auch in andere Regionaldialekte übertragen wurde), freilich war Günter Stössels "Nämberch English Spoken" einfach köstlich, freilich sind ein Ingo Cesaro oder ein Godehard Schramm oder ein Wolf Peter Schnetz oder ein Karlheinz Deschner oder ein Christian Enzensberger recht rührig. Paul Maar ist als Jugendbuchautor durchaus anerkannt und Ludwig Fels (gebürtig in Franken) sowie Hans Wollschläger (wohnhaft in Franken) wären noch zwei Vorzeige-Autoren. Das 'Studio Franken' beim BR zählt die Lyrik eines gewissen Gerhard Falkner "zum Besten, was Deutschland momentan zu bieten hat" oder ein gewisser Klaus Friedlein präsentiert Rolling-Stones-Texte auf Fränkisch ("Du, Angie, Angie, is ned goud, daß mir zwaa nu leem?"). Immerhin bemüht sich dieses 'Studio Franken' regelmäßig Buchtipps zu geben - man kann dazu auch die Netzseite www.br-online.de/franken/specials/buchtipps/sl2.html studieren. Ein relativ aktuelles Buchprojekt, das uns über aus Franken stammende bzw. hier lebende Autoren informiert ist: Georg Pöhlein, "Da liegt der Himmel näher an der Erde" - Literaturlandschaft Franken (Bibliothek der Provinz, A-Weitra 2003). Die einzigen Franken, die allerdings momentan wirklich und wortreich bundesweit für Furore sorgen sind die beiden Kabarettisten: Erwin Pelzig & Urban Priol (der immerhin an einer "meefränggischen" Version eines 'Asterix'-Bandes mitgewirkt hat). Wohlgemerkt: überhaupt nichts gegen Kabarettisten von deren Rang - aber wo bleibt die Poesie?! Interessant wäre es auch nachzuforschen, welche "fränkischen" Verlage es eigentlich noch gibt bzw. z.B. auch, welche Literaturzeitschriften momentan noch in Franken entstehen (außer KULT, Laufschrift & Wortlaut). Wir können und wollen freilich als AVF auch nicht die Zeiten des 'Pegnesischen Blumenordens' (Nürnberg, Barock) neu beschwören - dem Günter Grass in seiner Erzählung 'Das Treffen in Teltge' ein literarisches Denkmal setzte - v.a. weil wir uns noch längst nicht denkmalwürdig fühlen dürfen und wollen. Wir werden auch nicht die Zusammenkünfte der 'Gruppe 47' in der 'Pulvermühle' im Bayreuther Land wiederbeleben können. Zwar gibt es unter den lebenden fränkischen Autoren momentan keinen, der sich nachhaltig aufdrängt für die deutsche Literaturgeschichte (& mag ich mit dieser Aussage etliche Eitelkeiten verletzt haben . . .) - dennoch sind Frankens Poeten aktiv bzw. es gibt durchaus ein literarisches Leben im zeitgenössischen Franken. In Schweinfurt feierte unlängst die SAG - 'Schweinfurter Autoren Gruppe' ihr zehnjähriges Jubiläum. Das verdient nicht nur Erwähnung hier, weil einige AVF-Autoren dort Mitglied sind, sondern weil diese Gruppe exemplarisch vormacht, wie man in einem überschaubaren regionalen Rahmen mit aktiven Leuten Treffen & Veranstaltungen in regelmäßiger Folge organisieren kann. Im Jahre 1995 entstand auf Initiative von Klaus Gasseleder und Martina Müller-Wagner ein Stammtisch, aus dem sich eine Gruppe mit relativ fester Teilnehmerzahl entwickelte, die sich auch eine Satzung gab. Seitdem finden offene monatliche Stammtischabende mit vorgeschalteten Arbeitsgesprächen des harten Kerns statt. Daß dieses Konzept aufgeht, offenbarte auch die sog. Abschlußgala des Jubiläumsjahrs 'Gaukelei und Wortgespinst' am 19. November in der 'Disharmonie' in Schweinfurt. Ein wirklich gelungener Abend mit einem abwechslungsreichen Programm mit Musik, Lesung und Performance dokumentierte die Vielseitigkeit der Gruppe sowie die Möglichkeiten, die man für Veranstaltungen mit Literatur als Kernangebot hat, um für ein Publikum attraktiv zu sein. Von einer ganz anderen Veranstaltung gilt es auch noch zu berichten: in Nürnberg fand vom 18. - 20. November zum 10. Mal die sog. 'Linke Literaturmesse' statt. Traditionsgemäß war der Veranstaltungsort das K4 bzw. das Kulturzentrum im Künstlerhaus. Diese Lokalität hat alle Arten von Räumen für Ausstellungen, Lesungen und Diskussionen. Auf dieser Messe konnte jedenfalls der politisch aufgeschlossene Kulturbürger so ca. 50 Kleinverleger, Zeitschriftenanbieter und Antiquare antreffen. Vom 'Neue Impulse Versand' gab es etwa eine Übersicht 'Literatur für Linke - von Linken empfohlen' oder einen Katalog im Zeitungsformat vom sog. 'Roten Antiquariat'. Für die tagespolitische Diskussion fanden sich Zeitungen und Zeitschriften wie 'Jungle World', 'Freitag', 'Vorwärts', 'taz' bzw. 'bruchlinien' (Zeitschrift für eine neue revolutionäre Orientierung), 'Phase 2' (Zeitschrift gegen die Realität) oder 'Tarantel' (Zeitschrift für Kultur von unten). Ach ja, auch Graswurzel und Greenpeace waren vertreten. Daß Politik und Kultur bzw. Poesie durchaus zusammenhängen, beweist ein ganz anderes Projekt, welches auch 10jähriges Jubiläum feiern durfte: KULT - Das letzte Poesy-Chaotykum der Republyk. Aufmerksame AVF-Mitglieder wissen inzwischen, daß KULT von unserem aus Goldbach (bei Aschaffenburg) stammenden "Beirat für besondere Vorkommnisse" herausgegeben wird & daß man durchaus Texte bzw. Graphiken anbieten darf bzw. sollte. KULT möchte fürderhin etwas mehr die fränkische Literaturszene einer größeren Aufmerksamkeit zuführen. So, das war dann die Tour durch das literarische Leben in Franken - wir wollen immer offen sein für (andere) Initiativen & lernen von Autoren & Gruppen & Veranstaltungen, wie wir als AVF eventuell auch eine effektivere Außendarstellung hinbekommen. In diesem Sinne: seid aufmerksam & kreativ! Die Menschen in unserem Lande brauchen die Literatur mehr denn je! Wir müssen sie nur noch davon überzeugen, daß es die Literatur von Autoren unseres Verbandes besonders verdient, gelesen zu werden. KHS
"Aus dem Alltag herausholen! Der nebenberufliche Autor Karl-Heinz Schreiber über Perspektiven von Freizeit-Schriftstellern (Gespräch: ME 18. Juli 2007)
Wozu kann ein Zusammenkommen von
nebenberuflichen oder Hobby-Autoren dienen?
sich mir die Frage: wo bleiben eigentlich die
Autoren aus Aschaffenburg und Umgebung, die es doch recht zahlreich gibt?
Den einen oder anderen kenne ich ja sogar persönlich, von anderen liest
man in Buchbesprechungen im Main-Echo. Insofern finde ich es naheliegend,
dass auch wir Autoren in der Region hier uns zusammensetzen und gemeinsame
Probleme – Verlagssuche, Auftrittsmöglichkeiten beispielsweise –
besprechen.
Aber eindeutig beantwortet?
schnell schlechte Qualität - das Leben ist
eben zu kurz, um schlechte Bücher zu lesen, hat Marcel Reich-Ranicki
einmal sinngemäß gesagt. Im übrigen sollte ein Autor, der veröffentlichen
will, selbst viel lesen: zum einen, um sich in der Qualität einzuordnen –
zum anderen, um nicht etwa Bekanntes quasi noch einmal zu schreiben.
Eine Mode - oder eine zwangsläufige
Entwicklung bei immer mehr Autoren? (Das Gespräch führte Stefan Reis)
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