Lahm

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Mit dem Auge hören

Oder auch trinken, meint Autor Hermann Lahm

 

Auf dem Klavier stehen ein paar Flaschen Spätburgunder und "Marsannay 2005". Passend zu Hermann Lahms Büchlein "Trinken mit dem Auge", das der Kilian Verlag aufgelegt hat. Mundschenk spielt am Freitagabend bei der Autorenlesung in der Bücherei des Studienseminars St. Augustin Pater Prior Alfons Tony.

Lahm präsentiert seinen zahlreichen Gästen ein Buch voller Selbstironie. Geschrieben, um die Leser zum Nachdenken anzuregen. Und nicht, um sie zu verletzen. Ein Büchlein, das zwar zum Trinken einlädt, besonders auch zum Vorlesen taugt, das aber nicht Gefahr laufen will, dass sich einer daran verschluckt. Es sind Seiten voller Kurz-Zeiler. Gespickt mit Sprachwitz, der ins Schwarze trifft.

 

Autobiografische Züge
"Manchmal sind Ausschnitte wirkungsvoller als das Ganze", heißt es im Buch an einer Stelle. Ironisch gemeint ist auch die Sache mit der Gesundheit. "Das, was der Pfarrer mir noch erlaubt hat, das hat mir jetzt der Doktor verboten." Viele seiner Verse und Kurzgeschichten haben autobiografische Züge. Denn Lahm meint: "Über mich kann ich am leichtesten schreiben. Mich hab' ich immer dabei."

Und immer wieder trifft der Autor den Kern. Wenn er zum Beispiel mit Standesdünkel aufräumt und das so formuliert: "Besoldungsgruppen sind wie Automarken. Sie sagen über die Leistung an sich gar nichts aus." Die Texte sind allesamt dem Leben zugewandt, auch die morbiden: "Der Unterschied zwischen einer Jubiläums- und einer Grabrede ist der, dass der Betroffene bei der Jubiläumsrede noch stehen muss."

"Wer's Glück hat, dem reißt beim Aufhängen der Strick." An anderer Stelle ist dem Autor, der seine Lesung mit Akkordeonspiel auflockert, ein Vers über hübsche Sängerinnen eingefallen. Angeregt durch eine Fernsehsendung über Anna Netrebko: "Bei manchen Sopranistinnen hört man auch mit dem Auge mit."

Eine gesunde Prise Humor gehört dazu beim Lesen. Lahms Texte sind pointenreich, unterstreichen seine Lust, mit der Sprache zu spielen. Er beschreibt das Leben einfach, klar, verständlich und Heimat verbunden. Und manchmal kommt der Leser auch ins Grübeln.

(www.oberpfalznetz.de)


 

 

Wortakrobatik und Saitenmusik

Hermann Lahm und "Duo Saitenverkehrt" gestalten amüsanten Abend beim Kulturtreff 

Was der Kulturtreff Kastl mit Mark Twain, Oscar Wilde und Hugo von Hofmannsthal zu tun hat? Am Samstagabend doch eine ganze Menge: Eingeladen hatte der Kulturtreff nämlich zu einer unterhaltsamen Veranstaltung mit einem Berufskollegen der Genannten. Die Aufmerksamkeit des Publikums gehörte einem Aphoristiker, also jemanden, der Aphorismen schreibt: geistreiche, knapp formulierte Gedanken, die eine Lebensweisheit vermitteln.

Der gebürtige Weidener Hermann Lahm weilte nach 2002 zum zweiten Mal in Kastl und bereitete den zahlreichen Zuhörern im Sportheim einen kurzweiligen Abend. Für die musikalische Unterhaltung sorgte das "Duo Saitenverkehrt". Wer noch nicht wusste, was Aphorismen sind, der wurde schnell aufgeklärt.

"Das, was der Pfarrer mir noch erlaubt hat, das hat mir jetzt der Doktor verboten", las Lahm aus seinem neuen Büchlein "Trinken mit den Augen" vor. Es waren viele dieser kurzen Gedankensplitter, die der Verfasser als Einzeltext zum Besten gab. Mal ironisch, mal nachdenklich, mal amüsant, mal traurig. Die meisten Verse und Kurzgeschichten dürften autobiografische Züge haben. "Über mich kann ich am leichtesten schreiben. Mich habe ich immer dabei", stellte er fest. Die Texte wirkten auf die Zuhörer pointenreich und unterstrichen die Lust Lahms, mit der Sprache und den Wörtern zu jonglieren. Selbstironie und Sprachwitz, gepaart mit Lyrik und Heimatverbundenheit, sind Markenzeichen des Autors. So räsonierte er über die Zeit, als die Haare noch dichter waren, oder über das "das/dass-Problem".
(Auszug aus Oberpfalznetz - 25.03.2009)