2008 

Treffenzurück




 

1. Vorsitzender Karl-Heinz Schreiber (li, Goldbach) und 2. Vorsitzender

Helmut Stauder (re, Hösbach) werden den AVF die nächsten Jahre führen

 

Neuer Vorstand beim AutorenVerband Franken

ASCHAFFENBURG. Lange bevor Bayern gewählt hat, hatte Franken schon seine Wahl getroffen:

bei seiner diesjährigen Jahreshauptversammlung in Schweinfurt wählte der AutorenVerband Franken

(AVF) einen neuen Vorstand. Diesmal bekam die Region Aschaffenburg ein besonderes Gewicht: der

Vorsitzende Karl-Heinz Schreiber (Goldbach) und sein Stellvertreter Helmut Stauder (Hösbach)

werden versuchen, die Autoren in Franken mit kräftiger Stimme und viel Engagement zu vertreten.

Den Lesern aus Aschaffenburg und Umgebung sind die beiden Autoren und Lehrer seit Jahren bekannt

- und man erinnert sich wohl auch noch daran, daß der AVF letztes Jahr in Aschaffenburg tagte und

Veranstaltungen in Seniorenheimen, Schulen und in der VHS durchführte.     red       

(Main-Echo 30.9.2008)

 

 

Hier sehen Sie einige von uns beim Rathausempfang anläßlich unserer

JHV 2008 in Schweinfurt

 

 

 

Mit neuen Ideen nach Hause kommen

Autorenverband Franken in der Rückertstadt Schweinfurt - Jahrestagung 2008 mit Neuwahlen von Vorstandsmitgliedern

 

   SCHWEINFURT. Zwei Kriterien für gute Reisen und gute Literatur nannte Peter Rosner als Noch-erster Vorsitzender vom Autorenverband Franken (AVF) in seiner Rede beim Empfang der Stadt Schweinfurt durch Kulturamtsleiter Herrn Dr. Schneider am Samstagvormittag: „Dass eine gute Reise den Reisenden verändern soll, dass er mit neuen Ideen nach Hause kommen soll“, denn „Literatur als solche ist Reisen“.

   Dafür dass der Aufenthalt in Schweinfurt am vergangenen Wochenende (Freitag, 26. und Samstag, 27. September) für die aus ganz Franken zur JahresHauptVersammlung angereisten Autoren zu einem schönen Erlebnis werden konnte, dankte Peter Rosner aus Forchheim den in Schweinfurt ansässigen Verbandsmitgliedern Manfred Manger und Hans Jürgen Heimrich, die für die Organisation der Veranstaltung vor Ort professionelle Arbeit geleistet hatten.

   Jahrestagungen des AutorenVerbandes Franken bedeuten mittlerweile, daß ein breites Programm intern und für die Öffentlichkeit geschultert wird. So lief bereits am Freitagvormittag ein Literaturworkshop für Schüler des Bayernkollegs mit dem Dozenten Klaus Gasseleder als ein organisatorischer Beitrag. Außer diversen Gesprächsrunden und der Vorstandssitzung gab es am Freitagnachmittag Lesungen im Seniorenstift Augustinum mit den AVF-Autoren Elfriede Bidmon (Rednitzhembach), Erika Stenglin (Nürnberg), Friedrich Ach (Nürnberg) und Walter Tausendpfund (Pegnitz).

   Ebenfalls am Nachmittag durften die Autoren eine Führung durch das Werk eines berühmten Sohnes der Stadt Schweinfurt und vormaligen Kollegen, nämlich Friedrich Rückert, durch den Geschäftsführer der Rückert-Gesellschaft Dr. Rudolf Kreutner erleben. Neben einem werkbiographischen Abriß vom Wirken des Dichters konnte man die Atmosphäre des Rückert-Zimmers aufnehmen sowie Manuskripte und Erstausgaben studieren.

   Gewissermaßen den Höhepunkt bildete die Lesung im Schrotturmkeller unter Moderation von Hans Driesel, eingeleitet mit einem launigen Vortrag über Rückerts Frauengeschichten von Dr. Rudolf Kreutner sowie der exzellenten musikalischen Begleitung von Mad Bob. Es lasen so unterschiedliche Autoren wie Helmut Stauder (Hösbach), Günter Körner (Nürnberg), Peter Rosner (Forchheim), Irmi Kistenfeger-Haupt (Nürnberg), Karl-Heinz Schreiber (Goldbach), Fritz Kerler (Wendelstein) und Ulrike Rauh (Nürnberg). Es zeigte sich jedenfalls, daß die Literatur in Franken in allen Facetten und Variationen lebt - vom Haiku bis zum Reimgedicht, vom Krimi bis zum Minidrama, von der Satire bis zur besinnlichen Kurzgeschichte ist alles vertreten.

   Am Samstag, nach dem oben erwähnten Empfang im Rathaus, stellten sich die neu im Verband Aufgenommenen, nämlich Zuzana Zimmermann, Herman Lahm und Günter Körner den anderen Verbandsmitgliedern mit Auszügen aus ihren Texten vor und wurden mit direkter kollegialer Kritik konfrontiert.

   Die Jahreshauptversammlung hatte dieses Jahr den wichtigen Punkt der Neuwahlen auf der Tagesordnung. Neben Hans Jürgen Heimrich, Manfred Manger und Beate Rosner stand auch der 1. Vorsitzende Peter Rosner nicht mehr für ein Vorstandsamt zur Verfügung. Peter Rosner dankte in seiner Abtrittsrede vor allem Ulrike Rauh aus Nürnberg für ihren Einsatz als 2. Vorsitzende, da sie ihn bereits seit Oktober 2007 vertreten hatte. Zusätzliche berufliche Aufgaben machten es ihm nicht mehr möglich, ein ehrenamtliches Engagement für den AVF zu erbringen.

   Karl Heinz Schreiber aus Goldbach, der sich als einziger der Wahl stellte, wurde mit überwältigender Mehrheit zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Basisdemokratisch wie er veranlagt ist, dankte er besonders auch den wenigen Kollegen, die mit Nein gestimmt hatten und die er durch seine Arbeitsweise noch zu überzeugen gedenke. Neu gewählt wurden noch Helmut Stauder aus Hösbach zum 2. Vorsitzenden und Petra Schneider aus Schwabach zur Schriftführerin. Werner Sämann aus Bad Rodach wurde in seinem Amt als Schatzmeister bestätigt.

   Damit gelang es den AVF-Mitgliedern einen neuen handlungsfähigen Vorstand zu wählen, der sich mit Elan in die Arbeit für die Autoren und die Literatur in Franken stürzen wird. Da - so könnte man meinen - werden die Vorstandsmitglieder wohl vorerst ein „Reisebüro“ gründen müssen, damit die Ideen auch umgesetzt werden können - stammen sie doch aus den Randregionen Aschaffenburg und Nürnberg bzw. Coburg. Aber da der AVF mittlerweile ein moderner Verband geworden ist und sich auch der neuen Medien nicht verschließt, werden die Entfernungen im schönen Frankenland kein Hindernis sein, die Leser mit Veranstaltungen und neuen Werken zu bedienen.    

(PS, KHS, MM)

 

Friedrich Rückert konnte sich in aller historischen Distanz

das Treiben seiner fränkischen Nachfahren betrachten . . .

 

 

Vom Krimi übers Drama zur Satire

Autorenverband Franken in der Rückertstadt

(ghk) „Eine gute Reise sollte den Reisenden so verändern, dass er mit neuen Ideen nach Hause kommt. Auch Literatur als solche ist Reisen“, sagte Peter Rosner in seiner letzten Rede als Vorsitzender des Autorenverbandes Franken (AVF) bei einem Empfang der Stadt Schweinfurt.

Für die aus ganz Franken angereisten Autoren stand nicht nur die Jahreshauptversammlung auf dem Programm, sondern auch ein Besuch der Stadt. Im Stadtarchiv führte Rudolf Kreutner, Geschäftsführer der Rückert-Gesellschaft, durch das Werk Friedrich Rückerts, die Autoren konnten Manuskripte und Erstausgaben begutachten. Für Schüler des Bayernkollegs fand ein Literaturworkshop mit dem Gastdozenten Klaus Gasseleder statt, gefolgt von einer öffentlichen Lesung mit den Autoren Elfriede Bidmon (Rednitzhembach), Erika Stenglin (Nürnberg), Friedrich Ach (Nürnberg) und Walter Tausendpfund (Pegnitz) im Seniorenstift Augustinum. Den Höhepunkt bildete eine Lesung im Schrotturmkeller unter der Moderation von Hans Driesel, die Rudolf Kreutner mit einem Vortrag über Rückerts Frauengeschichten einleitete.

Die Autoren des Verbandes zeigten, dass Literatur in Franken in allen Facetten und Variationen lebt – vom Haiku bis zum Reimgedicht, vom Krimi bis zum Minidrama, von der Satire bis zur besinnlichen Kurzgeschichte.

Wichtigster Punkt auf der Tagesordnung waren die Neuwahlen: Karl Heinz Schreiber (Goldbach) wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt, sein Stellvertreter ist Helmut Stauder. Petra Schneider aus Schwabach ist Schriftführerin, Werner Sämann aus Bad Rodach wurde als Schatzmeister bestätigt. Für die gelungene Organisation dankte Rosner den Schweinfurter Verbandsmitgliedern Hans Jürgen Heimrich und Manfred Manger.

(Main-Post 12.11.2008)

 

 

 

Rathausrede des scheidenden Vorsitzenden Peter Rosner:

 

Wörter und Reisen

 (Rede auf dem Empfang des Kulturamtsleiters der Stadt Schweinfurt anlässlich der Jahrestagung 2008)

 

Sehr geehrter Herr Dr. Schneider,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freundinnen und Freunde,

 

zunächst möchte ich mich im Namen aller Tagungsteilnehmer ganz herzlich bei der Stadt Schweinfurt und bei Ihnen, Herr Dr. Schneider, bedanken, dass wir mit unserer Jahrestagung zu Gast in Ihrer Stadt sein können, und dass Sie uns zu diesem Empfang eingeladen haben.

 

Ganz herzlich bedanke ich mich auch bei unseren Schweinfurter Kollegen Manfred Manger und Hans Jürgen Heimrich, die die gesamte Vor-Ort-Organisation im Vorfeld unserer Veranstaltung übernommen haben.

 

Bei Literatur und Schweinfurt fällt einem natürlich sofort Friedrich Rückert ein, einem gebildeten Schriftsteller, der in Franken verwurzelt war, den aber auch eine gewisse Weltgewandtheit auszeichnete. Gelebte Weltgewandtheit bedeutet Reisen, wobei ich als These formuliere: Literatur als solche ist Reisen.

 

Ich möchte gemeinsam mit Ihnen ein wenig über das Material, aus dem Literatur besteht, über die Wörter, nachdenken. Bitte folgen Sie mir dazu nach Macondo, jenem Ort aus Gabriel García Márquez’ berühmtem Roman „Hundert Jahre Einsamkeit“. Eine Krankheit hat die Einwohner befallen, was unter anderem zu einem fortschreitenden Gedächtnisverlust führt, so dass ihr Wissen von der Welt allmählich zerfällt. Wörter wie Kuh, Haus oder Baum drohen ihnen nichts mehr zu sagen. Ihnen hilft jedoch ein Gegenmittel: Sie schreiben die Wörter auf Zettel und kleben sie an Gegenstände wie Haus und Baum und Tiere wie die Kuh. Um auch Zusammenhänge zu behalten, werden auf die Zettel auch weitere Informationen geschrieben. Auf einer Kuh zum Beispiel klebt ein Zettel mit folgendem Inhalt: „Das ist eine Kuh. Sie gibt uns Milch, die in Kaffee geschüttet Milchkaffee ergibt.“

 

Mit Wörtern stellen wir dar, wie wir uns die Welt vorstellen. Mit Wörtern verknüpfen wir Erfahrungen, Ideen, Wünsche, Ängste und vieles mehr. Jeder Mensch macht das, auch der Analphabet. Und beim Literaten ist es nicht anders. Aus der Vielzahl der Wörter bildet er in seinem Kopf eine Geschichte, die wahr oder erfunden sein kann, und die er dem Leser vorlegt, damit dieser sich auf eine Reise begeben kann, eine Reise mit Wörtern und durch Wörter. Wir Autoren sind in gewisser Weise ein Reisebüro. Wir fordern unsere Leser auf zu reisen, wobei unser Angebot gut sortiert ist, bieten wir doch verschiedene Reisen je nach Geschmack des Konsumenten an. Dem Liebhaber von Pauschalreisen (jedes Jahr Nordsee, gleicher Ort, gleiches Hotel) empfehlen wir zum Beispiel mal wieder einen Mankell. Kommissar Wallander und seine Kollegen sind dann schon vertraut, aber jeder Krimi als solcher wieder spannend. Dem Interessenten an Abenteuerreisen geben wir vielleicht „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón in die Hand. Was hat es mit dem „Friedhof der Vergessenen Bücher“ auf sich? Bildungsreise gefällig? Wie wäre es mit Peter Høegs „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“? Neben einer spannenden Geschichte wird das Leben der heutigen Eskimos erleuchtet. Oder vielleicht Lion Feuchtwangers „Die Jüdin von Toledo“? Das Zusammenleben von Christen, Juden und Moslems im maurischen Spanien wird thematisiert. (Sie bemerken, dass ich Schleichwerbung einflechte.) Was gibt es noch im Sortiment? Natürlich reine Erholungsreisen, gute Unterhaltungsliteratur bietet sich an; aber auch Einzel- oder Gruppenreisen, schließlich kann man ja alleine oder auch zu zweit, zu dritt usw. lesen. Wir haben kurze und lange Reisen, und selbst der Kurzausflug ist in unserem Programm, ein Gedicht. Und zuletzt gibt es noch eine besondere Form von Reise, die Flucht. In Literatur kann man wahrlich untertauchen.

 

Bei all diesen Reisen sollten wir aber nicht vergessen, dass eine gute Reise den Reisenden verändern soll, dass er mit neuen Ideen nach Hause kommen soll. So sind die Kriterien für gute Reisen und gute Literatur dann doch irgendwie gleich.